Wenn die Geburt Spuren hinterlässt
An dieser Stelle sollte ursprünglich ein Text über Kaiserschnittnarben und Dammverletzungen erscheinen. Aber irgendwie wollte mir dieser einfach nicht so recht gelingen und ich war mit allen Entwürfen unzufrieden. Ein Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach brachte mich schließlich auf eine Idee:
„Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“
Denn oft kommen junge Mütter nach einer schwierigen Geburt zu mir und schildern ihre Erlebnisse. Immer wieder taucht dabei auch die Frage auf:
„Glaubst du, ich bin die Einzige, der es so geht?“
Genau aus diesem Grund möchte ich einen Raum schaffen, in dem diese Erfahrungen sichtbar werden dürfen. Nach und nach sollen sie hier ihren Platz finden.
Denn Heilung beginnt oft schon mit dem Gefühl der Verbundenheit.
Die Geschichte hinter meiner Kaiserschnittnarbe von Sophie B.
Es war eine wunderschöne Vollmondnacht, als mein Sohn geboren wurde. Aufgrund seiner Beckenendlage und des bereits weit geöffneten Muttermundes stand fest: Wir würden unser Kind per Kaiserschnitt kennenlernen. Diese Nachricht war zwar überraschend, trotzdem war da keine Angst. Im Gegenteil – ich spürte Vorfreude und ein tiefes Vertrauen. Es fühlte sich einfach richtig an. Für mich stand immer eines im Vordergrund: das Wohl meines Kindes und mein eigenes.
Ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt spielte dabei keine Rolle. Beides sind Wege, ein Kind auf die Welt zu bringen.
Eine Narbe, auf die ich stolz bin
Als ich meinen Sohn dann in den Armen hielt, wusste ich: Diese Narbe erzählt seine Geschichte – und meine. Ich habe meine Kaiserschnittnarbe deshalb von Anfang an mit Stolz betrachtet. Durch sie ist mein Kind geboren worden. Natürlich waren die ersten Tage körperlich alles andere als einfach. Vor allem das erste Aufstehen nach der Operation war unglaublich schmerzhaft. Gerade zu gehen, schien mir unmöglich. Das Pflegepersonal half mir beim ersten Gang ins Badezimmer. Dort wurde auch der Katheter entfernt. Mein Mann wartete währenddessen mit unserem Sohn im Zimmer. Plötzlich hörte er nur noch Stimmen rufen: „He, dableiben!“ Ich war ohnmächtig geworden. Damals wusste ich nicht, warum mein Körper so reagierte. Erst Wochen später, während meiner ersten Narbenbehandlung, wurde es mir schließlich bewusst.
Mein Körper erinnerte sich
Viele Jahre zuvor, mit drei Jahren, wurde ich wegen eines Leistenbruchs operiert. An diese Narbe hatte ich lange Zeit kaum einen Gedanken verschwendet. Sie tat nicht weh und schien mich nicht einzuschränken – zumindest glaubte ich das. Als mir jedoch nach dem Kaiserschnitt der Katheter entfernt wurde, erinnerte sich mein Nervensystem – fast 29 Jahre später – an dieses schmerzhafte Erlebnis. Mein Körper reagierte mit einer Ohnmacht.
Die Begegnung mit meiner Kaiserschnittnarbe
Bei der ersten Behandlung meiner Narbe machten sich aber auch andere Veränderungen bemerkbar: Meine Körpermitte fühlte sich wieder mehr nach mir an. Das Taubheitsgefühl rund um die Narbe wurde deutlich weniger und ich bekam wieder mehr Empfindung in diesem Bereich. Die Beweglichkeit des Gewebes verbesserte sich und auch optisch heilte die Narbe wunderschön. Heute sieht meine Kaiserschnittnarbe für mich sogar aus wie ein kleiner lachender Smiley.
Meine Botschaft an andere Frauen
Vielleicht kennst du auch das Gefühl von Taubheit rund um deine Kaiserschnittnarbe. Vielleicht spannt sie, zieht oder fühlt sich einfach nicht wirklich wie ein Teil von dir an. Vielleicht hast du dich auch längst damit abgefunden.
Ich möchte dir sagen: Du bist damit nicht allein.
Meist braucht es keine harte oder schmerzhafte Behandlung, sondern einen sanften Weg, der den Körper respektiert. Die Narbenintegration nach Sharon Wheeler war für mich genau dieser Weg. Sie hat mir geholfen, wieder mehr Verbindung zu meinem Körper zu finden – Schritt für Schritt, in meinem eigenen Tempo. Heute erinnert mich meine Narbe an Herausforderungen, an Heilung und an das größte Geschenk meines Lebens: meinen Sohn.
Und genau deshalb darf sie nicht nur sichtbar sein – sie darf sich auch wieder lebendig anfühlen!