FAQs
Bei dieser achtsamen Methode wird die Narbe nicht isoliert, sondern als Teil des bindegewebigen Netzwerks des Körpers betrachtet.
Narben sind ein natürlicher Teil der Wundheilung. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Struktur vom ursprünglichen Gewebe und können dadurch Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und Funktion beeinflussen – manchmal auch fernab der eigentlichen Narbe.
Die Behandlung kann dazu beitragen, die beschriebenen Veränderungen positiv zu beeinflussen und Beschwerden im Bereich der Narbe zu reduzieren.
Die Behandlung erfolgt durch gezielte, sehr feine manuelle Techniken. Die Besonderheit der Arbeit liegt darin, dass jede Narbe individuell behandelt wird. Mit den Händen wird ihre dreidimensionale Struktur Schicht für Schicht wahrgenommen – fast wie eine topografische Karte, die ertastet und verstanden werden sollte. Erst dadurch wird es möglich, die Behandlung präzise auf die jeweilige Narbe abzustimmen.
Ein großer Teil der Arbeit findet im umliegenden Gewebe statt, um ungünstige Spannungsverhältnisse zu reduzieren. Nach jeder Technik wird das Gewebe erneut beurteilt und die Behandlung entsprechend angepasst.
Die Methode ist für Menschen jeden Alters und für nahezu alle Arten von Narben geeignet – unabhängig davon, ob sie durch Operationen, einen Unfall oder eine Verletzung entstanden sind. Besonders profitieren Menschen mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Sensibilitätsstörungen oder anderen Beschwerden im Bereich der Narbe.
Auch bei unklaren oder therapieressistenen Beschwerden kann es sinnvoll sein, bestehende Narben als beitragenden Faktor zu berücksichtigen.
Gerade bei Kindern verdient Narbengewebe besondere Aufmerksamkeit. Während des Wachstums können Spannungen entstehen, die sich auf die Körperhaltung oder die Beweglichkeit auswirken können. Eine begleitende Behandlung kann den notwendigen Anpassungsprozess unterstützen.
Narben sind viel mehr als eine sichtbare Veränderung der Haut.
Während der Wundheilung entsteht Ersatzgewebe, das sich in seinen Eigenschaften (zB Elastizität und Belastbarkeit) von normalem Gewebe unterscheidet.
Bei manchen Menschen kommt es zu Beschwerden im Bereich der Narbe oder den umliegenden Körperregionen. Als Kompensation können in weiterer Folge eine Schonhaltung oder auch Ausweichbewegungen entstehen. Dies wiederum kann sich negativ auf den Bewegungsapparat auswirken.
Besonders nach Bauchoperationen entstehen leider häufig Verwachsungen (medizinisch: Adhäsionen). Je nach Ausprägung können sie unter anderem Schmerzzustände auslösen oder die Atmung beeinflussen. Aber auch auf organischer Ebene kann es zu Einschränkungen im Bereich Verdauung, weibliche Fruchtbarkeit oder Blasenfunktion kommen.
Eine gezielte Behandlung kann dazu beitragen, Spannungsmuster zu beeinflussen, die Beweglichkeit zu verbessern und Beschwerden zu reduzieren.
Nein.
Viele Menschen glauben, eine wirksame Narbenbehandlung müsse schmerzhaft sein. Das Gegenteil ist der Fall!
Die Behandlung erfolgt mit sehr feinen und achtsamen manuellen Techniken. Entscheidend ist nicht möglichst viel Kraft, sondern ein präzise gesetzter Reiz.
Heute geht man davon aus, dass Zellen bereits auf fein dosierte mechanische Reize reagieren können.
Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch zur Vorgeschichte der Narbe. Anschließend werden die Narbe und das umliegende Gewebe sorgfältig beurteilt.
Die Behandlung orientiert sich nicht an einem festen Schema. Nach jeder Technik wird das Gewebe erneut beurteilt. Dadurch wird Schritt für Schritt sichtbar, welche Bereiche als Nächstes behandelt werden sollten.
Die Berührung ermöglicht es, eine neue Wahrnehmung für den betroffenen Bereich zu entwickeln. In manchen Fällen wird dies auch bewusst angeleitet oder mithilfe von Atmung und Bewegung vertieft.
Jede Sitzung entwickelt sich individuell – angepasst an die Reaktionen des Gewebes und die Rückmeldungen des behandelten Menschen.
Ausreichend trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt die normalen Stoffwechselprozesse im Körper.
Eiweißreiche Ernährung: Proteine liefern wichtige Bausteine für den Gewebeaufbau und die Gewebeerneuerung.
Schonung: Vermeiden sie für mindestens zwei Tage starke körperliche Belastungen und geben Sie sich Zeit, die Behandlung nachwirken zu lassen.
Auf den Körper hören: Manche Menschen verspüren nach der Behandlung ein erhöhtes Ruhebedürfnis. Nehmen Sie sich die Zeit die Sie brauchen, und folgen Sie Ihren Bedürfnissen.
Was kann ich erwarten? Erfahrungsgemäß fallen Reaktionen meist mild aus. Manche Menschen berichten, dass die Behandlung noch ein bis zwei Tage nachwirkt – sowohl lokal im Bereich des behandelten Gewebes als auch durch ein verändertes Körpergefühl.
Wann sollte ich aufmerksam werden? Zunehmende Schwellungen, Schmerzen oder Rötungen, die länger als 48 Stunden anhalten, sowie Fieber, Übelkeit oder ein deutliches Krankheitsgefühl sollten ärztlich abgeklärt werden.
Sonnenschutz: Exponierte Narben sollten bis zur vollständigen Narbenreifung, die bis zu zwei Jahre dauern kann, konsequent vor der Sonne geschützt werden –durch Sonnenschutz (LSF 50+) oder das Abdecken der Narbe.
Narbenpflege: Narben brauchen extra Pflege, da sie Barrierefunktion der Haut vorübergehend eingeschränkt ist und dadurch mehr Feuchtigkeit verloren gehen kann. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Dort finden Sie spezielle Cremen, Gele, Öle und medizinische Silikonprodukte. Da jede Narben unterschiedlich ist, sollte die Pflege auf die jeweilige Situation abgestimmt werden. Vorsicht ist bei potenziell reizenden Inhaltsstoffen wie ätherischen Ölen geboten. Auch lichtsensibilisierende Produkte, beispielsweise Johanniskrautöl, sollten nur mit Bedacht angewendet werden.
Selbstmassage: Sobald der Wundschorf vollständig abgefallen ist, können Sie beginnen, Ihre Narbe sanft zu behandeln.
- Streichen Sie zweimal täglich für einige Minuten mit federleichtem Druck sternförmig auf die Narbe zu.
- Alternativ können Sie das Gewebe auch sanft andrücken. Der Druck sollte so leicht sein, als würden Sie eine Computertaste berühren – gerade so, dass sie sich leicht bewegt, aber keinen Buchstaben schreibt. Wandern Sie dabei langsam über das gesamte Narbengebiet.
Welche weiteren Techniken zur Selbstbehandlung sinnvoll sind, wird im Anschluss an eine professionelle Narben-Integration individuell besprochen.
Sanfte Bewegungen: Spaziergänge, mobilisierende Übungen und eine bewusste Atmung können die Beweglichkeit im Gewebe unterstützen und so zu einer guten Narbenheilung beitragen.
Geduld: Narben reifen bis zu zwei Jahre. Weniger ist oft mehr – lieber regelmäßig und sanft als viel auf einmal!
Nach heutigem Kenntnisstand spricht vieles dafür, nicht länger als nötig zu warten. Entscheidend ist jedoch nicht eine bestimmte Anzahl von Wochen, sondern der individuelle Heilungsverlauf.
Sobald die Wunde gut verheilt ist, keine Infektionszeichen bestehen und aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht, kann eine behutsame, angepasste Narbenbehandlung sinnvoll sein.
Gerade in der frühen Phase geht es oft weniger um die sichtbare Narbe selbst als um das umliegende Gewebe, abschwellende Maßnahmen, die Anbahnung von Bewegung und Atmung sowie um die Wahrnehmung des eignen Körpers.
Das ist unterschiedlich. Die meisten Menschen nehmen bereits während oder kurz nach der Behandlung Veränderungen wahr, bei andern entwickelt sich der Prozess schrittweise über mehrere Sitzungen. Häufig wird berichtet, dass sich die Wirkung der Behandlung in den folgenden Tagen und Wochen weiter entfaltet.
Ja. Auch viele Jahre oder Jahrzehnte alte Narben können noch auf eine Behandlung ansprechen.Bindegewebe bleibt ein Leben lang anpassungsfähig. Deshalb kann eine Behandlung auch bei älteren Narben sinnvoll sein.
Grundsätzlich können nahezu alle Narben behandelt werden. Dazu gehören unter anderem Narben nach
- Operationen
- einer Entbindung durch Kaiserschnitt
- Unfällen
- Verbrennungen
- sowie verschiedenen Verletzungen.
Auch unauffällige Narben, etwa nach einer Muttermalentfernung, können Einfluss auf den Körper haben und von einer Behandlung profitieren. Ebenso können Drainagen oder chirurgische Instrumente bei minimalinvasiven Eingriffen kleine Narbenkanäle hinterlassen.
Oft übersehen werden außerdem Narben nach
- Zahnoperationen,
- Geburtsverletzungen,
- Muskelfaserrissen
- Prellungen
- Knochenbrüchen – unabhängig davon, ob sie chirurgisch versorgt wurde oder nicht
Die genannten Beispiele stellen nur einen Teil der möglichen Narbenformen dar. Im Einzelfall lässt sich gemeinsam beurteilen, ob eine Behandlung sinnvoll ist.
Die Narben-Integration arbeitet nicht nach einem festen Behandlungsschema.
Im Mittelpunkt stehen nicht Druck oder Kraft, sondern Genauigkeit, Achtsamkeit und die kontinuierliche Anpassung an die Reaktionen des Gewebes und des behandelten Menschen.
Ein großer Teil der Behandlung richtet sich bewusst auf das umliegende Gewebe, da Narben immer Teil eines größeren bindegewebigen Netzwerks sind.
Da sich die durch die Behandlung angestoßenen Anpassungsprozesse über eine gewissen Zeitraum weiterentwickeln können, hat sich ein Behandlungsintervall von vier bis sechs Wochen in der Praxis bewährt. In manchen Fällen kann jedoch ein kürzerer Abstand sinnvoll sein.
Die Dauer der Behandlung kann je nach Anbieter variieren. In der Regel dauert sie etwa 60 Minuten.
Die kosten richten sich nach dem jeweiligen Anbieter. Nähere Informationen erhalten sie bei der Terminvereinbarung.
Auf der Website finden Sie ein Netzwerk speziell ausgebildeter AnwenderInnen in ganz Österreich.
Die Narben-Integration selbst wurde bislang nur begrenzt wissenschaftlich untersucht. Viele ihrer Grundprinzipien lassen sich jedoch mit aktuellen Erkenntnissen aus der Mechanobiologie, Neurophysiologie und Bindegewebsforschung in Verbindung bringen.
Früher ging man davon aus, dass manuelle Techniken Gewebe vor allem mechanisch verändern. Man sprach vom Lösen faszialer Verklebungen und der Wiederherstellung von Gleitschichten. Heute versteht man menschliches Gewebe jedoch mehr und mehr als Teil eines lebendiges, anpassungsfähigen Systems. Dies könnte auch ein Hinweis darauf sein, warum selbst sanfte Berührungen einen starken Effekt auf den Körper haben können.
Und für alles, die es genauer wissen wollen:
Heute weiß man, dass Zellen mechanische Reize wahrnehmen und darauf reagieren (Mechanotransduktion). Dabei spielen spezialisierte Mechanosensoren wie Piezo-Kanäle eine wichtige Rolle. Sie reagieren bereits auf sehr feine Verformungen des Gewebes und lösen biologische Reaktionen in den Zellen aus.
Ebenso ist bekannt, dass Bindegewebe reich an Mechanorezeptoren und sensorischen Nervenfasern ist. Diese stehen in engem Austausch mit dem Gehirn und dem vegetativen Nervensystem. Berührungen beeinflussen daher nicht nur das Gewebe selbst, sondern auch wie Körperinformationen verarbeitet werden.
Aus der Neurophysiologie ist bekannt, dass langsame, sanfte Berührungen spezielle Nervenfasern (C-taktile Fasern) aktivieren können. Gemeinsam mit anderen sensorischen Informationen beeinflussen sie die Körperrepräsentation – das innere Bild unseres Körpers im Gehirn. Das könnte erklären, warum Menschen nach einer Narbenbehandlung berichten, dass sich der Bereich wieder „wie ein Teil von ihnen“ anfühlt.
Die Forschung entwickelt sich auf diesem Gebiet kontinuierlich weiter. Deshalb ist es wichtig klinische Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander zu verbinden und dabei klar zwischen gesichertem Wissen, plausiblen biologischen Mechanismen und klinischen Beobachtungen zu unterscheiden.